📚 Kleines Motorrad Tagebuch

Großes Abenteuer Malta-Tal

Holger und ich starten eine Tages-Ausfahrt:
Wir wollen gemeinsam die Kölbreinsperre im Malta-Tal besuchen.

Der frühe Vogel fängt die leere Strecke

Los geht’s um 7 Uhr in der Früh bei der Raika in Glasenbach: Es ist noch wunderbar kühl, Holger juckt es schon in der Gashand – wir quatschen also nicht lange herum und düsen los. Das erste Wegstück führt uns über die Autobahn nach Kuchl, wo wir nach einem kurzen Stück Bundesstraße nach St. Koloman aufsteigen. Dort geht es auf die Grubachstraße – das erste Gustostückerl der Strecke: Sie führt uns durch Frühnebelfelder in einer wunderschöne Landschaft Richtung Pass Gschütt.

Über die B166 geht es weiter nach Gosau und schlussendlich zum Hallstädter See, wo wir unsere erste Fotopause machen. Bei Hallstadt selbst ist alles Kameraüberwacht: Keine Chance hier ohne Strafe an ein Foto zu kommen. Zum Glück finden wir auf der anderen Seite des Sees einen schönen Fotopoint, wo Vespa, KTM, Holger und ich ins rechte Licht gerückt werden 🙂

Nach der ersten Pause geht es weiter über den Koppenpass in die Steiermark: Auf zahlreichen Kurven wird man hier links begleitet von einem tollen Blick auf den Hohen Sarstein. Die Koppenstraße führt uns direkt nach Bad Aussee, wo wir uns am Kurhausplatz unsere erste Pause mit Kaffee und Weichselstrudel gönnen.

Nach der ersten Auffrischung biegen wir jetzt Richtung Süden ab und cruisen auf der B145 zum Schloß Trautenfels, unserem Wegpunkt, um nach Osten in das Ennstal abzubiegen. Unser Ziel: Die Einfahrt in das Sölktal, über das Murtal im Süden erreichen möchten.

Sölktal

Gleich am Anfang des Söltales machen wir Stop und begehen den Speicher Großsölk – Viele fahren an diesem sehr netten Aussichtspunkt vorbei, ohne zu ahnen, was sich entgeht. Bei Rückkehr zu unseren Mopeds entscheiden wir uns, nochmal zur Tankstelle beim Eingang des Tales zurückzukehren: Wir sind uns nicht sicher, ob es Holgers Vespa mit 2 Stricherln die 40km bis ins Murtal schaffen kann. Wir düsen zurück und betanken die Vespa bis zum Anschlag 🙂

Sölkpass

Der Sölkpass selbst ist wie immer ein Augenschmaus – einer der schönsten Pässe Österreichs meiner Meinung nach. Als besonderes Schmankerl ist die Abfahrt im Süden frisch Asphaltiert und noch komplett bedeckt mit Rollsplitt. Die zahlreichen Kehren werden ohne richtige Haftung zu einem herausfordernden Teil unseres Abenteuers!

Murau

Murau ist unser erster längere Halt: Nicht nur unsere Bikes benötigen Futter – auch wir müssen nachtanken. Im Hotel Rosenhof machen wir Mittagspause und werden vom Samson und einer Schützenkompanie verabschiedet.

Der Kurvenkönig zeigt, was er kann

Nach Murau übergebe ich die Streckenführung komplett der Kurvenkönig-App. Einzige Vorgabe: Wir wollen zur Nockalmstraße. Und Kurvenkönig macht seinem Namen alle Ehre: Eine nicht endend wollende Abfolge von Kurven durch Berg und Tal führt uns zuerst von Murau durch die ersten Ausläufer der Nockberge im schönen Kärnten. Wir biegen in die L524 Metnitztalstraße ein und spüren bereits den Übergang ins Hochgebirge. Weiter geht es über Glödnitz und Deutsch Griffen in die Bergregion Hochrindl inmitten der Gurktaler Alpen, einem Paradies für Motorradfahrer inmitten des Biosphärenpark Kärnter Nockberge.

Vor lauter Kurven und Bergstraßen raucht mir bald der Kopf und wir müüsen eine Pause im Gasthaus Bauernstub’n im Skigebiet Hochrindl einschieben, wo Kaffee und Apfelsaft unsere Köpfe runterkühlen. Erstaunlich, was ein Klick in einer Touren-App für den Fahrer bedeutet: Erst unzählige Kurven durch Täler und über Almen später kommt man schlußendlich dort an, wo man ursprünglich eigentlich hinwollte 😀

Nockalm

Vom Hochrindl geht es wieder kurvig zahlreiche Höhenmeter bergab – Wie queren das kurz das Gurktal und fahren auf die Nockalmstraße. Wie schon öfters beschrieben gehört die Nockalmstraße zur Riege der besten Alpenstraßen in Österreich: Sie ist unser Sahnestück über zwei Bergkämme und 52 “Reidn” – so werden die Kehren auf der Nockalmstraße genannt – nach Winkl.

Während Otto Normaljapaner im Tal bei über 30° schwitzt, ist die Fahrt über die Nockalmstraße jetzt im August angenehm kühl. Wir haben die Straße wie schon den ganzen Tag fast nur für uns und genießen jede Kehre.

In Winkl biegen wir bei Innerkrems links ab (Rechts geht es auf das Schönfeld, dass in der Gegend auch ein Gustostückl für Motorradfahrer und Naturliebhaber ist) und erreichen die B99, die uns zum Eingang zu unserem Tagesziel führt: Das Maltatal.

Malta, Auffahrt und Kölbreinsperre

Bei Gmünd biegen wir nach Norden in das Maltatal ein und erreichen schlussendlich die Malta Hochalpenstraße. Ein paar Kröten Wegzoll später, kurven wir Kehre um Kehre bergaufwärts, bis wir an einer Ampel landen: 20 Minuten Wartezeit schüren die Vorfreude auf Klammfall-, Kehren- und Lange-Wand-Tunnel. Alle drei einspurig, unbeleuchtet und feucht: Also richtige Abenteuer-Stückln 😉

Wasserfall mit Warteanzeige

Ein praktischerweise direkt neben der Ampel liegender Wasserfall lässt die Wartezeit gut aushalten – Lustigerweise hat man die verbleibende Wartezeit dort ebenfalls gut im Auge: Die Betreibergesellschaft hat dort auch eine Zeitanzeige platziert 🙂

Nach den Tunneln passieren wir dann noch einige Kehren, bevor wir nach ca. 500 km Wegstrecke, unzähligen Kurven und Kehren an unserem Tagesziel ankommen: Der Kölbreinsperre.

Jause und Begehung

Der erste Weg führt die erschöpften Reisenden gleich hinter die Sperre zum Geheimtipp Kölbreinstüberl, wo sich Holger einen Kaiserschmarrn und ich mir eine Brettljause bestelle. Gut erholt machen wir uns erst nach der Stärkung auf zur Talsperre: Ein höchst imposanter Bau, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Kölbreinsperre ist die höchste Staumauer Österreichs und das bekommt man auch mit, wenn man über das Geländer schaut 😉

Nach einer Ausgiebigen Begehung und Fotografie-Session sehen wir, dass das Wetter langsam aber sicher schlechter wird und entscheiden, den Heimweg anzutreten.

Autobahn, Katschberg und Hoher Tauern

Um etwas zügiger voranzukommen, wählen wir nach der Abfahrt aus dem Maltatal die A10 als kleine Abkürzung. Wir wollen allerdings nicht die gesamte Heimfahrt auf der Autobahn verbringen und fahren daher bei Rennweg ab, überqueren den Katschberg und biegen danach nach Osten in das Murtal ab. Bei St. Magarethen nehmen wir unsere letzte Abbiegung gen Norden: Wir wollen über den Obertauern.

Spätestens jetzt hat allerdings das Wetter gedreht: Wir fahren zwischen zwei Regenfronten – eine macht von hinten Jagd, während die vor uns die Straßen komplett nass gemacht hat. Holger und ich geben Gas und werden zwar kaum von oben – aber recht viel von vorausfahrenden Autos nass 😐

Nach vorsichtiger Abfahrt vom Obertauern verbessert sich allerdings das Wetter wieder und wir fahren müde und trocken nur noch über Golling, Kuchl, Hallein und Kaltenhausen nach Niederalm, wo sich unsere Wege trennen.

Fazit: Gefühlte und dokumentierte 865km, waren aber netto eher 500 🙂

Zu Hause angekommen, werde ich durch eine stolze 865 am Tageskilometerzähler geschockt… Offensichtlich hab ich vergessen, den Zähler zurückzusetzen: Lt. Tourenplaner waren es um die 500 – passt aber unzählige Kurven später gefühlt zusammen. In den insgesamt netto 15-16 Stunden, die wir Unterwegs waren, haben wir die so ziemlich besten Motorrad-Gustostückerl zwischen Salzburg und Kärnten abgegrast und zusätzlich einige Vorschläge vom Kurvenkönig mit abgefahren. Ich sehe die Fahrt als Gesamtkunstwerk – viele Teilstücke sind für sich schon einen Besuch Wert: Wir durften Sie als Teil unseres Abenteuers erfahren.

Meine persönlichen Highlights waren die zahlreichen Täler mit unglaublich schöner Natur, die sich abwechselten mit hochalpinen Gelände – erreichbar über wunderschön geschwungene Serpentinen. Die zahlreichen schnellen Wechsel zwischen Warm/Kühl und sogar Kalt – teilweise sogar alle paar hundert Meter – in Verbindung mit der Auswahl an Gerüchen, die man während so einer Fahrt erleben darf, bekräftigen mich in meiner Begeisterung am Motorradfahren.

Nirgends sonst ist so viel Naturerlebnis in so “kurzer” Zeit erfahrbar.

Wir hatten die Straßen teilweise komplett für uns alleine – und nahmen uns ohne Erwartungsdruck alle Zeit und Pausen, die so eine lange Ausfahrt erfordert. Dadurch war die Ausfahrt entspannt – aber trotzdem kurzweilig.